Kategorie: Literaturtips (Seite 1 von 2)

Johann Baptist Metz (2005), Memoria Passionis, Freiburg.

In diesem neueren Buch fasst Metz seine Gedankengänge rund um das Konzept der “gefährlichen erinnerung” noch einmal zusammen. Ausgehend von einer Theologie nach Auschwitz führt er in die “arme Sprache des Gebets” und die Tradition der negativen Theologie ein. Metz führt aus, warum der Geist des Hellenismus zu einer Veränderung der Gottesrede und der theologie geführt hat und macht deutlich, wie eine Theologie, die sich am Gott der jüdischen Geschichte orientiert, gerade für aktuelle Auseinandersetzungen hilfreich wird. Das Buch ist sowohl als Einleitung in die politische Theologie als auch als Vertiefung gut geeignet.

Joseph Vogl (2010), Das Gespenst des Kapitals, Zürich.

Ausgehend von Unfähigkeit der derzeitig vorherrschenden Wirtschaftstheorie die Krisen vorauszusehen, geschweige denn zu verhindern, fordert der Autor eine theoretische Neubegründnung der Wirtschaftswissenschaften. So wie das Erdbeben von Lissabon 1755 die damals vorherrschenden metaphysischen Theodizée-Konzepte zum Einsturz gebracht hat, so müsse angesichts der umfangreichen Probleme und Krisen heute, die Oikodizée neu gedacht werden. Mit kulturwissenschaftlicher Finesse und einem Gespür für die historisch interessanten Entwicklungen legt Joseph Vogl eine Kapitalismuskritik vor, die sich gewaschen hat und gute Argumente und Argumentationshilfen an die Hand gibt. Absolut lesenswert um sprachfähig zu werden und auf Neues zu bauen angesichts wirtschaftlicher und systemischer Krisen.

Castro Varela, M., Dhawan, N., Postkoloniale Theorie. Eine kritische Einführung

Das Buch konzentriert sich vor allem auf die ‘Heilige Dreifaltigkeit’ des Postkolonialismus: Es gibt 3 große Kapitel zu Edward Said, Gayatri Spivak und Homi Bhabha. Dazu eine Einleitung, die den Weg vom Kolonialimus zum Antikolonialismus und den Postkolonialen Studien nachzeichnet und etwas Klarheit in die Begrifflichkeiten bringt. Einfach geschrieben, gut verständlich, vor allem was die Einführung ins Werk der komplexen TheoretikerInnen angeht: Sehr zu empfehlen für den Einstieg in die Materie!

Delgado, M., Noti, O., Venetz, H.-J. (Hgg.), Blutende Hoffnung. Gustavo Gutiérrez zu Ehren, Luzern 2000

Ein Tagungsband im Anschluss an ein internationales Kolloquium an der Uni Freiburg 1999 über die Theologie von Gustavo Gutiérrez. Sein Beitrag über “Situation und Aufgaben der Theologie der Befreiung” enthält wenig Neues. Interessant sind aber die Artikel, die sich an Gutierrez abarbeiten und seine Prägung der Befreiungstheologie analysieren (Etwa: Duquoc, C., Theologie der Befreiung. Verdienste und Grenzen; Sievernich, M., Gezeiten der Befreiungstheologie; Delgado, M., ‘Blutende Hoffnung’) Der Band ist auch interessant im Hinblick auf Befreiungstheologie in Europa (Gibellini, R., Auseinandersetzung zwischen der Theologie des Nordens und der Theologie des Südens; Brieskorn, N., Theologie der Befreiung und Menschenrechte).

Literaturliste: Queere Theologie & kirchliche Debatten um gleichgeschlechtliche Partnerschaften

Kirchliche Debatten um gleichgeschlechtliche Beziehungen und schwullesbische Lebensformen im Pfarrhaus drehen sich meist um die Frage, ob man LGBT-Personen im kirchlichen Raum Rechte gewähren sollte, die deren vermeintliche „Lebensweisen“ zugleich als Abweichung von der heteronormativen Allgemeinheit konstruieren. Weiterlesen

Literaturliste: Lateinamerikanische postkoloniale Theorie

Die Dependenztheorien, die in den 1970er Jahren die theoretische Grundlage für viele Gesellschaftsanalysen der Befreiungstheologie bildeten, werden häufig für ihre vermeintlich einseitige Gegenüberstellung von Peripherie und Zentrum kritisiert. Weniger bekannt ist, dass dependenztheoretische Ansätze unter dem Einfluss von Befreiungsphilosophie, Border Thinking, Chicana-Feminismus, Weltsystem-Theorie u.a. zu einer eigenständigen lateinamerikanischen postkolonialen Theorie weiterentwickelt wurden. Weiterlesen

R. S. Sugirtharajah (Hg.)(1998), The Postcolonial Bible, Sheffield.

In diesem Sammelband wird versucht einen Einstieg in eine postkoloniale Lesart der Bibel zu geben. Sugirtharaja leitet den band mit einem orientierenden Aufsatz ein, anschließend gibt es Aufsätze von Boerund anderen über die Diskurse. Besonders gut finde ich hier den Aufsatz von Segovia, der verschiedene Ebenen einer postkolonialen Kritik voneinander unterscheidet. Anschließend gibt es Vertiefungen von Musa Dube und Horsley, die versuchen dies konkret werden zu lassen und abschließend ein großartiges Interview mit Kwok Pui-Lan über das Jesus-Kolleg und die verborgene Seite der Suche nach Jesus, sowie eine spannende Bibelstudie von Bas Wielenga. Lohnt sich, in dieses Buch mal hereinzuschauen.

Fernando Castillo (2000), Evangelium, Kultur und Identität, Luzern.

Der Untertitel „Stationen und Themen eines befreiungstheologischen Diskurses“ bringt das Anliegen des Buches gut zur Geltung. Anhand ausgewählter Aufsätze des chilenischen Theologen Fernando Castillo soll exemplarisch das Bild der reichen Tradition der südamerikanischen Befreiungstheologie entfaltet werden. Castillo ist Theologe und Soziologe und gibt Auskunft über die Entwicklung der chilenischen Gesellschaft und Kirche nach dem zweiten Vatikanischen Konzil und dem Ende der Militärdiktaturen. Diese beiden Linien ziehen sich durch seine Porträts von Basisgemeinden, seine theologischen Überlegungen zu zentralen Themen der Theologie und seine Auseinandersetzung mit Kultur, Moderne und Identität.

strong>Laura Donaldson & Kwok Pui-Lan (Hg.) (2002), Postcolonialism, Feminism & Religious Discourse, New York.

Dieser Aufsatzband ist in zwei Teile unterteilt. In einem ersten Teil nehmen sich die Autorinnen den klassischen Feminismus zur Brust, den sie aus verschiedenen Richtungen mit den Mitteln einer postkolonialen Kritik in Frage stellen. Dies geschieht vor dem Hintergrund der Verquickung des vorwiegend weißen und europäischen Feminismus mit Eroberung und Kolonialismus, Abwertung der indigenen Kulturen und religiöser und rassistischer Vorurteile. In einem zweiten Teil setzen die Autorinnen dem mainstream Feminismus unbekanntere Geschichten und Traditionen entgegen, die dazu einladen Feminismus neu zu denken und aus einer interreligiösen und vielschichtigen Warte wahrzunehmen.

Ania Loomba (2005), Colonialism/Postcolonialism, New York.

In dieser Einführung in postkoloniale Theorie beschäftigt sich Ania Loomba mit den Basisfragen der Abgrenzung von Kolonialismus und Postkolonialismus und untersucht die Produktion und Verwertung von Wissen in den unterschiedlichen Kontexten. Nach einer derart vorgenommenen Situierung nimmt sich Loomba die Frage nach Identität vor, die sie als eine Kernfrage der postkolonialen Theorie kennzeichnet und anschließend im Bezug auf die Herstellung von Differenz, den Zusammenhang von Kaste, Rasse und gender, sowie Hybridität untersucht. In einem kurzen Abriss zum Schluss gibt sie einen Ausblick auf die Zukunft postkolonialer Theorie und ihren Nutzen in aktuellen Debatten.

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