Monat: Dezember 2010 (Seite 1 von 2)

R. S. Sugirtharajah (Hg.)(1998), The Postcolonial Bible, Sheffield.

In diesem Sammelband wird versucht einen Einstieg in eine postkoloniale Lesart der Bibel zu geben. Sugirtharaja leitet den band mit einem orientierenden Aufsatz ein, anschließend gibt es Aufsätze von Boerund anderen über die Diskurse. Besonders gut finde ich hier den Aufsatz von Segovia, der verschiedene Ebenen einer postkolonialen Kritik voneinander unterscheidet. Anschließend gibt es Vertiefungen von Musa Dube und Horsley, die versuchen dies konkret werden zu lassen und abschließend ein großartiges Interview mit Kwok Pui-Lan über das Jesus-Kolleg und die verborgene Seite der Suche nach Jesus, sowie eine spannende Bibelstudie von Bas Wielenga. Lohnt sich, in dieses Buch mal hereinzuschauen.

Fernando Castillo (2000), Evangelium, Kultur und Identität, Luzern.

Der Untertitel „Stationen und Themen eines befreiungstheologischen Diskurses“ bringt das Anliegen des Buches gut zur Geltung. Anhand ausgewählter Aufsätze des chilenischen Theologen Fernando Castillo soll exemplarisch das Bild der reichen Tradition der südamerikanischen Befreiungstheologie entfaltet werden. Castillo ist Theologe und Soziologe und gibt Auskunft über die Entwicklung der chilenischen Gesellschaft und Kirche nach dem zweiten Vatikanischen Konzil und dem Ende der Militärdiktaturen. Diese beiden Linien ziehen sich durch seine Porträts von Basisgemeinden, seine theologischen Überlegungen zu zentralen Themen der Theologie und seine Auseinandersetzung mit Kultur, Moderne und Identität.

strong>Laura Donaldson & Kwok Pui-Lan (Hg.) (2002), Postcolonialism, Feminism & Religious Discourse, New York.

Dieser Aufsatzband ist in zwei Teile unterteilt. In einem ersten Teil nehmen sich die Autorinnen den klassischen Feminismus zur Brust, den sie aus verschiedenen Richtungen mit den Mitteln einer postkolonialen Kritik in Frage stellen. Dies geschieht vor dem Hintergrund der Verquickung des vorwiegend weißen und europäischen Feminismus mit Eroberung und Kolonialismus, Abwertung der indigenen Kulturen und religiöser und rassistischer Vorurteile. In einem zweiten Teil setzen die Autorinnen dem mainstream Feminismus unbekanntere Geschichten und Traditionen entgegen, die dazu einladen Feminismus neu zu denken und aus einer interreligiösen und vielschichtigen Warte wahrzunehmen.

Ania Loomba (2005), Colonialism/Postcolonialism, New York.

In dieser Einführung in postkoloniale Theorie beschäftigt sich Ania Loomba mit den Basisfragen der Abgrenzung von Kolonialismus und Postkolonialismus und untersucht die Produktion und Verwertung von Wissen in den unterschiedlichen Kontexten. Nach einer derart vorgenommenen Situierung nimmt sich Loomba die Frage nach Identität vor, die sie als eine Kernfrage der postkolonialen Theorie kennzeichnet und anschließend im Bezug auf die Herstellung von Differenz, den Zusammenhang von Kaste, Rasse und gender, sowie Hybridität untersucht. In einem kurzen Abriss zum Schluss gibt sie einen Ausblick auf die Zukunft postkolonialer Theorie und ihren Nutzen in aktuellen Debatten.

Claudia Jahnel (Hg.) (2009), Theologie befreit. Transformationen und Rezeptionen der Lateinamerikanischen Befreiungstheologie, Erlangen.

Geht zurück auf ein Symposium von Mission EineWelt in Neuendettelsau 2008: Wie steht’s um die Befreiungstheologie heute? Wer sind heutzutage die ‘Armen’? Wie mischen die Pfingsttheologien mit und wie sehen andere mögliche Welten aus – gemeinsam verewigt als ‘Murales comunitarios’? Ein aufschlussreicher Tagungsband mit Beiträgen von Hermann Brandt, Silfredo B. Dalferth, Anne Stickel, Joao Carlos Schmidt, Gilberto Quesada Mora und anderen.

Roland Boer (2008), Last stop before Antarctica, Atlanta.

Eine postkoloniale Sicht auf die Bibel und Australien verspricht der Untertitel des Buches und ausserdem findet sich in dieser Aufsatzsammlung noch einiges über Marxismus, Poststrukturalismus und mehrere Einblicke in die hermeneutische Praxis des Autors. Ein Artikel, der dies besonders anschaulich macht ist der über grüne Ameisen, die Gibeoniter, B.Wongar und Josua indem Boer ausgehend von dem Unterschied zwischen Essentialismus und Nominalismus nacheinander einen postkolonialen Autor, der zwischen Serbien und den Aboriginies seine hybride Heimat hat und die Bibel, namentlich Josua 9 ins Gespräch bringt. Besonders die Auseinandersetzung mit Identitätsfestschreibungen und Essentialismen ist bestechend.

Joerg Rieger (Hg.) (2003), Opting for the Margins, New York.

Die Ränder des empires und seine Marginalisierten sind die Orte und die Subjekte der Theologie. Dieses Leitmotiv hat Joerg Rieger für dieses Buch entwickelt und es wird neben ihm noch von Kwok Pui-Lan, Gustavo Gutierrez und anderen stark gemacht. Die Themen, die von verschiedenen Autoren in den Aufsätzen behandelt werden sind dann entsprechend die Frage nach Subalternität und eine Auseinandersetzung um die Rolle der Armen in der Theologie und die Definition der „Vorrangigen Option der/für die Armen“, sowie die Neubestimmung einer Befreiungstheologie im 21. Jahrhundert. Besonders Rieger setzt sich in seinen Beiträgen mit der Postmoderne auseinander und zeigt die Hinwendung zu den Marginalisierten als Königsweg dieser Zeit auf.

R.S. Sugirtharajah (2005), The Bible and Empire, New York.

Dieses Buch versucht dem Sprichwort nachzugehen, dass die Bibel und das Gewehr stets gleichzeitig in kolonisierte Länder gekommen sind. Anhand verschiedener Geschichten vermittelt Sugirtharajah einen Eindruck, wie die Bibel von Kolonialisten und Kolonisierten gelesen wurde und welchen Einfluss also das „empire“ auf die Bibel hatte und die Bibel auf das empire. Als Beispiel werden die europäische Leben-Jesu-Forschung und die Bücher von Rammohan Roy und Thomas Jefferson zum gleichen Thema verglichen; die Veränderung in der Bibelexegese britischer Pfarrer als Reaktion auf indische Aufstände um 1857 aber auch die Versuche von Missionaren die Bibel zum Schutz von Eingeborenen in Stellung zu bringen (u.a.) gebracht.

Dipesh Chakrabarty (2008), Provincialising Europe, New Jersey.

In diesem provokanten und aufregenden Buch greift Chakrabarty den zentralen Mythos des Eurozentrismus an und zeigt auf, wie die Moderne sich auch ohne Europa denken lässt. Damit weist Chakrabarty Europa einen neuen geistesgeschichtlichen Platz in der Provinz zu und macht verschiedene Geschichten der Modernisierung ausgehend von den Rändern stark.

Sharon V. Betcher (2007), Spirit and the Politics of Disablement, Minneapolis.

Sharon Betcher untersucht die Wundergeschichten in den Evangelien und ihre Auslegung in der Kirchengeschichte, sowie besonders die dogmatischen Grundlagen in der Pneumatologie und die Auswirkungen auf christliche Missionstätigkeit. Sie zeigt auf, wie Behinderung auch in modernen Gesellschaften gefürchtet wird und liefert eine postkoloniale Lesart von Behinderung, aus der klar wird, warum sie, die selbst behindert ist und im Rollstuhl sitzt, nicht glaubt und sich nicht wünscht, im Himmel keinen Rollstuhl mehr zu brauchen.

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