Monat: Oktober 2013

1. Studientag in der Reihe “Theologie in Bewegung denken”

“Dem Rad in die Speichen fallen”


Widerstand und Theologie bei Dietrich Bonhoeffer


Studientag Sa 30.11.2013 10-18 Uhr im Institut für Theologie und Politik, Münster

Nicht nur die Opfer unter dem Rad zu verbinden, sondern dem Rad selbst in die Speichen zu fallen“ – so hatte Bonhoeffer bereits 1933 angesichts der nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten beginnenden Judenverfolgung gefordert. Biographisch hat sich dieser Satz in der Entscheidung für den aktiven Widerstand gegen den Nationalsozialismus niedergeschlagen, die ihn zur Mitarbeit am Attentat gegen Hitler und zur Beteiligung an der Planung eines Umsturzes führte.

Mit dem Studientag zu Bonhoeffer wollen wir unsere Reihe Theologie in Bewegung denken eröffnen, in der wir uns mit Neuer Politischer Theologie und Befreiungstheologie sowie ihrer Bedeutung für eine politische Praxis heute auseinandersetzen wollen. Aus befreiungstheologischer Perspektive wollen wir auf Bonhoeffers Leben und seine Theologie schauen und uns dabei fragen, wie sich die Entscheidung zum politischen Widerstand aus seiner Theologie speist und in dieser spiegelt. Das wirft auch die Frage danach auf, was uns Bonhoeffers Leben und Denken für das Projekt einer widerständigen politischen Theologie und christlichen Praxis heute zu sagen hat.

Der Studientag wird veranstaltet vom Befreiungstheologischen Netzwerk Münster und dem Institut für Theologie und Politik. Wir wollen uns einen ganzen Tag Zeit nehmen, neben kurzen vorbereiteten Inputs gemeinsam Texte zu erarbeiten und zu diskutieren. Mittags wird es eine längere Pause und ein gemeinsames Mittagessen geben. Um für Essen, Getränke und Materialien besser planen zu können, bitten wir um Anmeldung unter: befreiungstheologie_ms[at]yahoo.de

Der nächste Studientag in Theologie in Bewegung denken zum Thema „Befreiungstheologische Praxis in der Krise“ findet statt am Samstag den 15.2.14, 10-18 Uhr im Institut für Theologie und Politik, Friedrich-Ebert-Str. 7 (Eingang im Hinterhof).

Institut für Theologie und Politik (ITP), Friedrich-Ebert-Str. 7, 48153 Münster, www.itpol.de

Trockener Hungerstreik von Non-Citizens in Berlin

Seit neun Tagen sind etwa 30 Non-Citizens am Brandenburger Tor (Berlin) im Hunger- und seit 4 Tagen im Durststreik. Im Widerstand gegen das todbringende Asylsystem riskieren sie ihr Leben um ihr Recht auf Asyl zu erkämpfen. Erst bei der Flucht nach Europa – jetzt vor unseren Augen am Brandenburger Tor.

Inzwischen brechen die Non-Citizens zusammen und befinden sich in Lebensgefahr.

Als Reaktion erfahren sie Ignoranz der Politik, Schikanen der Polizei und nur dürftige Unterstützung weniger Menschen. Wir sind wütend und traurig. Wir solidarisieren uns mit den Forderungen der Non-Citizens.

Die Non-Citizens erklären:

An: Hr. Friedrich,

Innenminister von Deutschland
Dr. Schmidt, Präsident des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge


Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie dich aus, dann bekämpfen sie dich, und dann gewinnst du.
Ihr seht unser unendliches Vertrauen, welches aus den Rechten entsteht, die uns vorenthalten werden sowie die, euch nicht vertrauten Schmerzen, welche uns hierher gebracht haben.

Ihr habt uns dazu gebracht, die Straße als unsere Festung zu wählen, um unseren systematischen Tod zurückzuweisen und für die Erlangung unserer Rechte zu kämpfen. Wir glauben daran, dass auf diesem Weg der „Widerstand“ die einzige Möglichkeit für alle unterdrückten Menschen dieser Welt ist.

Immer noch verlassen viele Menschen aufgrund der durch euch verursachten instabilen Situation in anderen geographischen Regionen ihre Herkunftsländer. Auf dem Weg unser Leben zu finden, welches jede Person verdient, erreichen wir den Endpunkt, wenn wir an den Grenzen Europas ankommen, welche von euch auf verschiedene Art und Weise geschaffen werden. Frontex und die jüngsten Ereignisse bei Lampedusa sind nur ein paar wenige Beispiele von dieser Struktur, von welcher wir glauben, dass sie staatlicher Mord ist.

Ignoranz, Terror und die Unterdrückung politischer Kämpfe sind die üblichen Methoden des Systems, wenn es um die Konfrontation mit sozialen Bewegungen geht. Aber der Tod von Menschen kann nicht vor Kameralinsen versteckt werden, weder in den südlichen Gewässern Europas noch im Herzen Europas, am Brandenburger Tor, Berlin, vor den Augen der wählenden Bevölkerung.

Wir sind Lampedusianer_innen und tausend andere Geflüchtete, die an den Europäischen Grenzen sterben, aber wir haben es bis hier her geschafft und wir verurteilen aufs Äußerste diese Massenhinrichtungen. Wir wollen unsere grundlegenden Menschenrechte, welche sich in den gleichen Lebensbedingungen wie sie Staatsbürger_innen inne haben, ausdrücken. Weder ihr, noch irgendeine andere Person kann uns davon fernhalten.

Wir sind vor euren Augen den extrem schlechten Wetterverhältnissen und Restriktionen ausgesetzt, aber ihr zieht Ignoranz vor. Jetzt rufen wir es aus, dass die Verantwortung für die Konsequenzen, welche auch immer geschehen werden, direkt an euch adressiert ist.

Dies ist die letzte Möglichkeit für die bestehende Regierung sich in Richtung unserer Forderung zu bewegen, um ein noch viel beschämenderes Ereignis in der Geschichte selbst zu vermeiden.

Nun neigt sich die Zeit massiv dem Ende zu. Wir trinken ab heute kein Wasser mehr, bis wir unsere Forderung erreicht haben. Diese ist die Anerkennung unserer Asylanträge. Das ist, wofür wir uns entschieden haben.

Die durststreikenden Non-Citizens am Brandenburger Tor, Pariser Platz“

Bitte unterstützt die Streikenden! Solidarität muss praktisch werden. Wie? refugeestruggle.org

berliner ortsgruppe.