Treffen des Befreiungstheologischen Netzwerks vom 4.-6.März 2011
(von Ferdinand Liefert)

Vom 04.-06.03.2011 trafen sich erneut  Theologie-Studierende und theologisch Interessierte, die neben dem akademisch oder konventionell-kirchlich geprägten Kontexten eine Alternative suchen oder eine solche längst gefunden haben. Dieses Mal sollten bereits angewandte Arbeitsweisen, sich herauskristallisierte Strukturen und bisher geschehene Aktivitäten besprochen werden. Darauf aufbauend sollte dann ein vorläufiges Selbstverständnis erarbeitet und Ideen für die Zukunft gefunden werden.

Nach der Vorstellung all dessen und der Diskussion darüber im Plenum haben sich Kleingruppen gebildet, in denen konzentriert über einzelne Aspekte gesprochen wurde. Ein solcher Aspekt war etwa die Homepage, weitere Aktionen, die Ortsgruppen, das Selbstverständnis und Textproduktion.

Die intensiven Diskussionen darüber haben einen umfassenden Text ergeben, der von einer der im späteren Verlauf des Treffens gebildeten Arbeitsgruppe erarbeitet wurde. Einzelne Punkte werden sicher noch weiterhin Anlass zur Diskussion bleiben, aber sowieso soll das Selbstverständnis zwar formuliert, aber nicht als unveränderliches Dokument festgeschrieben werden. Weitere Arbeitsgruppen haben sich verständigt längerfristig sich mit den Themen Klimagerechtigkeit, Polizeigewalt, Sozialabbau, verschiedene befreiungstheologische Ansätze und der Bankenkrise zu beschäftigen. Es hat sich auch eine Gruppe gefunden, die die Sommeruni im September vorbereiten will.

Neben den vielen intensiven Arbeitsphasen blieb uns auch Zeit zu gemeinsamen Mahlzeiten, die jeweils ein Küchenteam  zubereitet hat, aber auch zu ganz persönlichem Austausch, guten Gesprächen und ein bisschen Zeit zum Feiern.

Der Ablauf war entsprechend der Idee zunächst von der bestehenden Praxis und den bestehenden Arbeitsweisen auszugehen wie folgt:Am Freitag haben sich zunächst die einzelnen Gruppen vorgestellt, die sich dem Befreiungstheologischen Netzwerk zugehörig fühlen oder von denen sich einzelne Mitglieder dem Netzwerk zugehörig fühlen. Darauf in wurde etwas zu bereits erfolgten Aktionen des Netzwerks gesagt. Dabei ging es um die letzte Oikotree-Tagung, das Weltforum für Theologie und Befreiung und Castor schottern. Am Samstag wurde vormittagsüber die Homepage des Netzwerks gesprochen. In Kleingruppen haben wir uns dann noch mit Entscheidungsfindung, Aktionen, Texte verfassen, Ortsgruppen und dem Selbstverständnis beschäftigt.Am Samstag Nachmittag wurden dann die Ergebnisse aus den Kleingruppen vor- und zur Diskussion gestellt.

Nach dem Abendessen haben dann verschiedene Gruppen zu Hartz IV/Sozialabbau, Polizeigewalt, zur Bankenblockade und der Klimagerechtigkeit angefangen zu arbeiten. Außerdem hat eine Arbeitsgruppe sich daran gemacht, das Selbstverständnis zu formulieren, in das die schon vorhandenen Vorschläge mit eingearbeitet wurden. Der von der Gruppe erarbeitete Text sollte als Diskussionsgrundlage für das Plenum dienen.

Bei der Vorstellung der einzelnen Ortsgruppen und Lektürekreise ist aufgefallen, dass diese sehr unterschiedlich sind. Es gibt einige klassische Lesekreise, andererseits andere Gruppen, die auch stärker Aktionen durchführen, an anderen Orten ist eine Ortsgruppe erst im Entstehen oder derzeit noch recht klein.

Auch unter den Lesekreisen gibt es unterschiedliche Akzente, einige haben sich einer Richtung von befreienden Theologien besonders zugewandt, wie etwa feministischer Theologie, andere haben sich bereits mit vielfältigen Themen beschäftigt. Auf der Homepage es soll eine „Anleitung“ zur Gründung einer Ortsgruppe geben.

Oikotree ist eine weltweite ökumenische Organisation, die das Accra-Bekenntnis wieder in der ökumenischen Bewegung stärken will. Es ist möglich in der Arbeit bei Oikotree eventuell Kontakt zu anderen Gruppen zu knüpfen und etwas über Unrechtsstrukturen zu erfahren. Wer mehr darüber wissen will kann sich auch gerne noch den Link auf unserer Homepage anschauen.

Auf dem Weltsozialforum gab es einige Schwierigkeiten. Einerseits wurde das Thema „Option für die Armen“ nur sehr abstrakt behandelt und auch echter interreligiöse Verständigung hat nicht funktioniert. Die Themen wurden nicht, wie erhofft auf den Kontext etwa des Gastgebenedenlandes oder auch Afrika bezogen, sondern wurden nur idealistisch behandelt.

Außerdem wurde die Verbindung zwischen Weltsozialforum und dem Weltforum für Theologie und Befreiung sabotiert. Durch das Belegen von Gebäuden mit Univeranstaltungen etwa geriet das ganze Programm durcheinander und es konnten keine Pläne gedruckt werden.Es hat sich allerdings ein interessanter Kontakt zur muslimischen Gruppe Baraka aus Frankreich ergeben.

Einen ausführlicher Bericht ist auf der itp-Homepage zu finden.

Das Schottern wurde kontrovers diskutiert. Auf der einen Seite galt es als eine Möglichkeit des Widerstandes, den man sich nicht von vorn herein nehmen lassen soll. Auch, dass die anderen Aktionen schon länger von kirchlichen Gruppen wahrgenommen wurden, ließ das Schottern als eine gute Aktion für das Netzwerk erscheinen. Andererseits waren einige Teilnehmende nicht genügend auf die Auseinandersetzung mit der Polizei, die sehr brutal vorging vorbereitet.

Andere haben sich gefragt, wie überhaupt die Entscheidung für das Schottern zustande gekommen ist und warum es als Aktion des ganzen Netzwerks galt. Hier spielt auch die verschiedene Sicht auf die bevorzugte Art des Protestes, beziehungsweise auch der „Radikalität“ eine Rolle. Die Bedenken und nachträglich aufgefallenen Schwierigkeiten wurden bei der Diskussion um die Entscheidungsfindung mit aufgenommen. Die Reaktionen auf die publizierte Reflexion über das Schottern gab Anlass auch über das Verfassen und Veröffentlichen von Texten Klarheit herzustellen.

Die Homepage soll insgesamt einerseits transparent und informativ sein. Es gibt einfache Möglichkeiten, sich an der Homepage selbst zu beteiligen. Andererseits soll es auch Möglichkeiten geben, bestimmte Dinge in einem geschütztem Rahmen zu kommunizieren. Am besten schaut ihr euch die Homepage mal an.

Entscheidungen, die das ganze Netzwerk betreffen, werden nur im Konsens gefällt. Grundsätzlich besteht aber auch weiterhin Autonomie für alle beteiligten Gruppen und Einzelpersonen.

Die Arbeitsgruppen zu Hartz IV/Sozialabbau, Polizeigewalt, zur Bankenblockade und zur Klimagerechtigkeit haben sich vorgenommen langfristig zu an den entsprechenden Themen zu arbeiten und haben teilweise bereits dazu Arbeitsgruppen auf der Homepage eingerichtet.

Das vorläufige Selbstverständnis ist ebenfalls auf der Homepage nachzulesen. Es wurde für das Befreiungstheologische Netzwerk die damit verbundene Netzwerk-Struktur beibehalten, wobei Autonomie und Verbindlichkeit gleichermaßen wichtig sind. Außerdem wurde die Vision der Herrschaftsfreiheit und die Pluralität betont und im Einzelnen auf die Arbeitsweisen eingegangen.

Es ist bereits recht umfangreich und umfasst somit noch viel mehr, als hier in den kurzen Bericht noch ein mal auftaucht. Es ist jedoch nicht als abgeschlossen oder gar statisches Dokument miss zu verstehen. Diskussionen darüber sind weiterhin erwünscht und auch, wenn das vorläufige Selbstverständnis dann beim nächsten Treffen beschlossen werden soll, bleibt es veränderbar.