Diskussionen zu Themen bei der Sommerschule 2014

Hier schreibe ich ein paar Gedanken auf, die sich auf meinen elektronischen Brief an den Verteiler der Personen, die an der befreiungstheologischen Sommerschule 2014 teilnahmen, und auf D.s Antwort an denselben Verteiler beziehen.
Für mich ist es selbstverständlich, daß alles was ich äußere, meine persönliche subjektive Meinung ist. Aber D. meinte, dies ausdrücklich den anderen sagen zu müssen, so schien es mir jedenfalls. In dieser Antwort war sie mir offenbar auch ziemlich böse darüber, daß ich meine Ansicht über alternative Erfahrungen mit Themen der Geschlechtergerechtigkeit äußere. Wenn nur die Tatsache, daß ich meine Meinung und Erfahrung äußere, als autoritär gilt, dann fühle ich mich mundtot gemacht.
Ich glaube, daß wir alle aus unterschiedlichen Kontexten, Lebensgeschichten, politischen Geschichten, Erfahrungen kommen, und daß deshalb die Perspektive jedes Menschen verschieden ist. Trotzdem können sich diese Perspektiven auf das Ganze beziehen, auf das jeweilige “Ganze” der Theologie, der Gesellschaft, des Gender-Themas, der Wirtschaft usw. Jede der Perspektiven ist einmalig, bereichernd, aber auch begrenzt. Es ist deswegen das Beste, meine ich, wenn wir unsere jeweiligen Perspektiven austauschen und uns gegenseitig zuhören.
Ich sage immer wieder, daß ich in der DDR aufgewachsen bin, nicht weil das besser oder schlechter als andere Herkünfte wäre, sondern um meine spezifische Geschichte anzudeuten, weil mir sonst nicht anzumerken ist, daß ich ein nicht anerkannter Ausländer bin. So habe ich manche soziale und gesellschaftliche Zusammenhänge ganz anders erlebt, als es in dieser jetzigen Welt zugeht, die ich manchmal immer noch nicht verstehe.
(Zum Beispiel verstehe ich manche Tabus und Dogmen unter Linken, zu denen ich zugleich gehöre, nicht: warum sollte ich nicht einen Menschen aus einer anderen Kultur fragen dürfen, “Woher kommst du?”; nur wenn ich diese Frage stellen kann, nehme ich den anderen Menschen in seinem Anderssein und seiner Geschichte ernst. Denke ich jedenfalls.)
Und ich bin genauso stolz Befreiungstheologe zu sein wie D. es ist Feministin zu sein. Trotzdem halte ich die Reflexion für wichtig, daß innerhalb der eigenen Gruppe Herrschaftsmechanismen entstehen, um dem entgegenhalten zu können.

Daniel

3 Kommentare

    • daniels

      19. September 2014 at 11:02

      Während der Sommerschule und danach erhalte ich immer wieder den Eindruck, dass manche Feministinnen den Antagonismus zwischen Männern und Frauen als unaufhebbar konstruieren. Das kritisiere ich.
      Wie dem auch sei, ich denke dass ich keinen Grund habe, mich dafür zu schämen, dass ich ein Mann bin, mich in die Nähe eines Machos stellen oder mir auf andere Weise das Wort verbieten zu lassen. Sondern ich suche nach gegenseitigem Respekt, nach einer Konsens-Orientierung, nach einer Beziehungskultur, wo jede Stimme erlaubt ist.

  1. daniels

    25. September 2014 at 09:42

    Das Gute an diesen ganzen Streitereien, v.a. den Kommentaren in (https://twitter.com/JessicaValenti/status/494591618519805953), ist dass ich endlich gelernt habe, dass es auch sexistische Feministinnen bzw. feministischen Sexismus gibt. Das war mir in meiner “Ost”-Naivität bisher entgangen.

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