Nicht viele Mächtige hat Gott berufen; sondern die Schwachen der Welt hat Gott erwählt, um die Starken zu beschämen (1Kor 1,26f)

Gottes Handeln dreht die herkömmlichen Muster um! Das, was in der Welt als stark gilt, wird in der Perspektive von Gottes guter Welt als Schwäche herausgestellt.

Nicht viele Mächtige hat Gott berufen…
Im Moment erleben wir in Europa, wie Stärke demonstriert wird:
Die „starken“ Länder Europas „retten“ die „schwachen“. Dabei zwingen sie ihnen ihre Bedingungen auf: Sparmaßnahmen werden angeordnet, Vorschriften aufgestellt, Strafen verhängt. Diese brutale Verarmungspolitik der sog. Troika aus IWF, EU und EZB wird durchgesetzt. Der Ausnahmezustand der Staatsverschuldung wird zum autoritären Umbau der EU genutzt: Entscheidungen werden von technokratischen Elitegremien gefällt. Die wettbewerbsstärkeren Länder der EU beanspruchen die Beziehungen der EU-Staaten zu lenken.

Die Gewalt, mit der der Protest niedergeschlagen wird, ist schockierend. Statt transnationaler Solidarität werden Menschen in Europa nationalistisch gegeneinander aufgehetzt: “Wir Deutschen” gegen die “faulen Griechen”.

Nach außen protzt Europa ebenfalls mit Kraft. An den Grenzen wird abgeschottet oder selektiert. Gegen Flüchtlinge aus Nordafrika wird mit Kriegstechnologie und Leichensäcken vorgegangen, während nach innen Bedrohungsszenarien aufgemalt werden und so die tatsächlichen Machtverhältnisse verdreht dargestellt werden.

Gerade in Deutschland herrscht ein Klima der Stärke:
Bundesregierung und deutsche Unternehmen profitieren am stärksten von den Kredit-“Rettungen” und bauen ihre Exportgewinne aus.
Die massive soziale Abhärtung, Entsolidarisierung und Prekarisierung, die sich hier in den letzten Jahren u.a. durch die Agenda 2010 entwickelte, soll uns als Erfolgsgeschichte guten Haushaltens verkauft werden.

Wir erleben diese Stärke im ständigen Zwang zu mehr Leistung, mehr Flexibilität und im Kampf um lächerliche 374 €.
Wir richten uns selbst ab, indem wir Ehrgeiz und Konkurrenzdenken ins Unendliche steigern.
Wir erleben diese Stärke als rassistisch und gefährdend. Sie bricht uns, macht uns depressiv, führt uns zum burn-out. Die Predigt der Alternativlosigkeit macht uns wütend!

Diese vermeintliche Stärke entlarven wir, und zeigen auf, wie zerstörerisch sie wirkt. Solche Stärke steht der gerechten Welt Gottes entgegen!

… sondern die Schwachen der Welt hat Gott erwählt
Wahre Stärke erkennen wir in der Perspektive von Gottes guter Welt im vermeintlich Schwachen:
In der Widerständigkeit der griechischen und spanischen Bevölkerung, die gegen Umverteilung von unten nach oben und für Demokratie kämpft.
Im Beharren vieler Menschen auf Teilhabe an gesellschaftlichen Gütern und dem lebensbedrohlichen Kampf gegen Despoten – in Nordafrika und Syrien.
In der Selbstorganisation von Erwerbslosen und Migrant_innen, die sich nicht mit ihrer gesellschaftlichen Verdrängung abfinden wollen.
Im Widerstand der Schlecker-Mitarbeiterinnen und den Streiks der Erzieherinnen im öffentlichen Dienst.
Im persönlichen Leben haben viele von uns unter dem Fastenmotto „Es ist genug“ Wege gesucht, dem Wachstumszwang dem falschen Ehrgeiz und Konkurrenzdruck etwas entgegen zu setzen.

Von diesen Stückchen Hoffnung, die oft schwach und zerbrechlich sind, wird die Vision genährt, die wir auch in Jesu Predigt vom Reich Gottes erkennen: die Vision von einem Leben in Fülle für Alle; einer Welt, in der Gottes Kraft in den Schwachen mächtig wird (2Kor 12,9).

Wir wollen dieser Hoffnung, die von der Jahreslosung bestärkt wird, Ausdruck verleihen, indem wir der vermeintlichen Stärke widerstehen. Das geschieht im Alltag, in der Solidarität mit und unter den Menschen, die unter der europäischen „Politik der Stärke“ leiden, und im entschiedenen Widerstand gegen diese Politik.

Gemeinsam widerstehen
Daher wollen wir im Mai bei den europaweiten Tagen des Protests gegen das Krisenregime der Troika und der Bundesregierung widerständig sein. Mit einem politischen Nachtgebet wollen wir uns in die Proteste vor dem Sitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main einklinken. Wir blockieren, auch mit Liedern und einem pray-in. Gemeinsam mit vielen Tausenden besetzen wir die Frankfurter Plätze. Holt eure Freund_innen und Enkelkinder und kommt mit!

BLOCKUPY Frankfurt!

Mittwoch, 16.05. Anreise und Aktionen bei der Sitzung des EZB-Rats
Donnerstag, 17.05. Besetzung der Plätze, Versammlungen, Veranstaltungen und Kultur
Freitag, 18.05. Blockade der EZB und des Bankenviertels
Samstag, 19.05. Internationale Demonstration

Befreiungstheologisches Netzwerk
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