Hier findet ihr die Texte aus dem Workshop zu Abendmahl und Versöhnung, den Timo auf dem Netzwerktreffen in Freiburg im Oktober 2016 gehalten hat:

Versöhnung – WTF?

Nichttheologisch:
Versöhnung ist ein Geheimnis, das wir schwer und nur zu eng begreifen, sie wird auf persönlicher Ebene womöglich nie stattfinden, und wir wissen nicht, wie sie stattfinden kann, da sie unser menschliches Vermögen zu übersteigen scheint. Versöhnung ist die jüngere Schwester der Rache und der Strafe, die sinngebende – und oft vergessene – Friedenskraft des Lebens, die sich in unserer Zeit entfalten wird.

J. Gutierrez, Friedens- und Versöhnungsarbeit – Konzepte und Praxis, 114.

Theologisch:
Gott sei Dank ist die Versöhnung nicht von menschlichem gutem Willen und von dem Wunsch nach Frieden und verträglichen Verhältnissen abhängig. Menschen werden vielmehr gebeten, sich Gottes Versöhnung gefallen zu lassen und aus ihr zu leben. Dies gehört zum Wunder der Versöhnung: daß Gott sie nicht einfach über uns verfügt, sie nicht über uns kommen läßt oder sie uns aufdrängt, sondern daß er uns einlädt, uns in ihre Wirklichkeit hineinnehmen und sie an uns wirken zu lassen. […] Gottes Versöhnung können wir nicht bewirken. Sie lehrt uns, zwischen Gottes Handeln und unserem zu unterscheiden – und dabei des Handelns Gottes gegenwärtig zu sein. Wir können keine Versöhnung schaffen, aber sie will im Wort von Menschen ausgerichtet werden, und zwar in Form der Bitte. Wie gewaltig ist das Tun, das hier zugemutet wird!
G. Sauter, »Versöhnung« als Thema der Theologie Gütersloh 1997, 13

Horizontale Versöhnung

1. Kor 7,10 Die Verheirateten unterweise ich – diese Lehre kommt nicht von mir, son dern von unserem Befreier: Eine Frau soll sich von ihrem Mann nicht trennen. 11 Wenn sie sich aber trennt, soll sie unverheiratet bleiben oder sich mit ihrem Mann versöhnen. Ein Mann soll seine Frau nicht wegschicken.
Apg 7,26 Am nächsten Tag erschien er bei ihnen, als sie sich stritten. Er versuchte sie auszusöhnen, dass sie Frieden hielten, und sagte: ›Liebe Leute, ihr seid doch Geschwister! Warum tut ihr einander Unrecht?‹
Mt 5,23 Wenn du also im Begriff bist, deine Gabe auf dem Altar darzubringen und dich dort erinnerst, dass eines deiner Geschwister etwas gegen dich hat, 24 so lass dein Opfer dort vor dem Altar und geh’, vertrage (versöhne!) dich erst mit deinem Bruder oder deiner Schwester, und dann magst du kommen und dein Opfer darbringen.
Lk 12,57 Warum entscheidet ihr nicht unter euch, was gerecht ist? 58 Denn, wenn du mit deinen Gegnern und Gegnerinnen zur Behörde gehst, so gib dir unterwegs Mühe, dich gütlich von ihnen zu trennen (versöhnen!), damit sie dich ja nicht vor Gericht schleppen, und das Gericht dich dem Zwangsvollstrecker übergibt, und der dich ins Gefängnis wirft. 59 Ich sage dir: Von dort kommst du nicht heraus, bis du das letzte bisschen zurückbezahlt hast.«

Übersetzung: Bibel in gerechter Sprache

Vertikale Versöhnung

2 Kor 5,18 […]Gott versöhnt uns durch den Messias mit sich selbst und gibt uns die Auf­gabe, die Versöhnung zu vermitteln: 19 Ja, Gott war es, der im Messias die Welt mit sich versöhnt hat. Gott rechnete ihnen ihre Vergehen nicht an und hat unter uns das Wort von der Versöhnung in Kraft gesetzt. 20 Im Auftrag des Messias sind wir nun Gesandte in der Überzeugung, dass Gott euch durch uns ersucht. So bitten wir an Stelle des Messias: Lasst euch versöhnen mit Gott! 21 Gott hat ihn, der keinerlei Sünde getan hatte, an unserer Stelle zu einem sündigen Menschen gemacht, damit wir Gottes Gerechtigkeit verkörpern, in eins mit Jesus.
Röm 5,8 Gott schenkte uns dadurch Liebe, dass der Messias für uns starb, als wir noch der Sündenmacht dienten. 9 Umso gewisser sind wir durch sein Blut jetzt! Gerecht gesprochen und werden durch ihn vor dem Zorngericht gerettet. 10 Denn wenn wir mit Gott durch den Tod des Sohnes versöhnt wurden, als wir noch verfeindet waren, so werden wir umso gewisser als Versöhnte durch Christi Lebensmacht gerettet werden. 11 Aber nicht nur dies allein: Wir können uns Gottes glücklich preisen durch Jesus, den Messias, dem wir ge hören, durch den wir jetzt! Versöhnung empfangen.
Eph 2,15 Das Gesetz festlegender Bestimmungen hob er auf, damit er in sich selbst die zwei Völker zu einem neuen Menschen schaffe und Frieden stifte. 16 Und er versöhnte die beiden in einem Leib für Gott durch das Kreuz und tötete die Feindschaft. 17 Ja, durch sein Kommen verkündigte er Frieden, euch, den Fernen, und Frieden den Nahen.
Kol 1,21 Auch euch, die ihr einstmals fremd wart und feindlich, verstrickt in ein Denken, das durch schlechtes Handeln hervor­gerufen wird, 22 hat es jetzt unter Einsatz seines körperlichen Lebens durch den Tod versöhnt, um euchheilig, ganz und unbescholten vor Gott zu stellen. 23 Vorausgesetzt allerdings, dass ihr im Glauben bleibt, fest gegründet und beständig, und euch nicht wegbewegt von der Hoffnung der Freudenbotschaft, die ihr gehört habt, weil sie allen Geschöpfen unter dem Himmel verkündigt wurde. Ein Diener dieser Freudenbotschaft, bin ich, Paulus, geworden.

Übersetzung: Bibel in gerechter Sprache

Versöhnungshorizont

„Ein dauerhaftes Friedensabkommen kann nur auf dem Hintergrund eines verpflichtenden Versöhnungs­horizonts stattfinden. Die zukünftige Versöhnung muß mit am Verhandlungstisch sitzen. Die Versöhnung ist nicht nur das letzte Kapitel der Konfliktaustragung, sondern als Versöhnungshorizont auch der rote Faden, der die ganze Austragung – auch die Kapitel des heftigen Streitens und der Verhandlung und Vereinbarung – durchzieht.“

J. Gutierrez, Friedens- und Versöhnungsarbeit – Konzepte und Praxis, 133.

„Wir erwogen vier Arten von Gewaltausübung: Sabotage, Guerilla, Terro­ris­mus und Aufstand. […] Da sie keine Leben forderte, bot (die Sabotage) die größte Hoffnung auf eine spätere Versöhnung zwischen den Rassen an. Wir wollten keine Blutfehde zwischen Weißen und Schwarz starten. Die Abneigung zwischen Afrikanern und Engländern war noch 50 Jahre nach dem Anglo-Boer-Krieg akut. Wie würden die Beziehungen zwischen den Rassen Weiß und Schwarz aussehen, wenn wir einen Bürgerkrieg provo­zieren würden? […] Aber wenn Sabo­tage nicht die erwünschten Ergebnisse bringen würde, waren wir bereit, zur nächsten Stufe überzugehen: Guerilla und Terrorismus.“

N. Mandela, Der lange Weg zur Freiheit, 1994, 336.

Den gefolterten Körper sichtbar machen

An der Pacific School of Religion in Berkeley, wo wir den Kurs Eucharist as Holy Eating, der diesem Buch zugrunde liegt, gemeinsam unterrichtet haben, entstanden viele Konflikte rund um das Abendmahl. Einige wollen die Einsetzungsworte abschaffen, weil sie dort blutige Bilder zu finden glauben. Sie finden in ihnen eine Glorifizierung von Gewalt. Sie verwerfen die Idee, dass es eine Verbindung zwischen Gewalt und Versöhnung geben kann. Andere entdecken hierin ein »Weißwaschen« der Christologie, das das Grundprinzip einer Weißen Mittelklassereligion zu sein scheint. Vor allem afrikanisch amerikanische Studierende in unseren Kursen weisen jedoch auf die Tatsache hin, dass im Kontext von Sklaverei den Liedern über Jesu Blut erlösende und Hoffnung stiftende Kraft innewohnt. Dies trifft auch für die Gegenwart zu, das Motiv des Blutvergießens wird mit Hoffnung auf Leben verbunden und eine Vision des Überlebens für afrikanisch amerikanische Menschen gefeiert. Jesu Kreuzigung wird in enger Korrespondenz zu Tausenden von Lynchmorden von afrikanisch amerikanischen Menschen gesehen, die während der Zeit der Sklaverei und danach an Bäumen erhängt wurden. Die Erinnerung an diese Gräueltaten wurde wachgehalten und zugleich wurde auf die Über­windung der Gewalt gehofft. So wurde die Erinnerung an das Blutvergießen zu einem Bild der Hoffnung und des Widerstandes: ›Das Blut, das mir von Tag zu Tag Kraft gibt, wird nie an Kraft verlieren.‹

Das Abendmahl. Essen um zu leben; Andrea Bieler, Luise Schottroff; Gütersloh 2007, 200f.

„Der Leib Christi hat AIDS“

Am 3. Dezember 2001 feiert Pastor Jim Mituslski in der Chapel of the Great Commission in Berkley, Kalifor­nien, zusammen mit der Gemeinde das Abendmahl. Er brach das Brot, hob es mit seiner linken Hand empor, wies mit seiner rechten Hand auf seinen eigenen Körper und sagte: „Dies ist der Leib Christi – der Leib Christi hat AIDS.“ Er hielt einen Augenblick lang inne. Dann öffnete er seine Arme und umarmte die Gemeinde mit seinem Körper und seinen Worten: „Bitte stimmt mit ein: „Wir sind der Leib Christi – der Leib Christi hat AIDS.“ Ich hörte Stimmen im Raum, eher stammelnd als in einem kräftigen, selbstsicheren Unisono: Wir … sind … der … Leib … Christi – der Leib Christi … hat AIDS.“ Die Atmosphäre war angespannt in bebender Elektri­zität, hervorgebracht durch einen Mann, der es wagte, auf seinen eigenen Körper zu zeigen und dann die ganze Gemeinde zu umschließen – mit dem konse­krierten Brot in seiner Hand. Er, ein Pastor, mit HIV infiziert, präsentierte sein Körper als Christi Leib.
Dies war ein zutiefst berührender Moment für mich. Plötzlich hatte ich ein „gefühltes“ Verständnis von etwas, das ich auf einer kognitiven Ebene bereits vor langer Zeit verstanden hatte: Unser individuellen Körper sind Tempel des Heiligen Geists. Und die Gemeinde, die sich um den Altar herum versammelt, IST (im Fleisch und nicht nur repräsentativ) der Leib Christi. Christi Gegenwart bei Abendmahl ist nicht nur im Brot und Wein manifest, sondern auch in den wirkliche Körpern, die zum Altar kommen. In diesem Gottesdienst wurde ich mit all meinen Sinnen in dieses Mysterium hineingezogen.

Das Abendmahl. Essen um zu leben; Andrea Bieler, Luise Schottroff; Gütersloh 2007, 188ff

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„Dieses Bild hat der Künstler Nic Blokk für uns gemalt. Im Hintergrund steht unser geliebtes Menno-Heim, ein Haus für Viele. Im Vordergrund das Abendmahl in klassischer Aufteilung: Jesus in der Mitte umgeben von seinen Zwölf, aufgereiht wie an einer Perlenkette. Der Unterschied zu gängigen Darstellungen ist, dass bei unserem Bild nicht die übliche Männerrunde am Tisch sitzt, sondern eine Gruppe ganz unterschiedlicher Menschen. Männer, Frauen, Kinder, was auch immer. Heiter, staunend, grummelnd, seltsam, fröhlich. Dieses Bild steht dafür, dass in der Gemeinschaft Jesu alle Menschen einen Platz haben. Alle sind berufen zu einer neuen Gemeinschaft mit Gott und miteinander. Die Gemeinde Gottes besteht aus Menschen wie Du und Ich, die gemeinsam der neuen Welt Gottes entgegen gehen.“

www.berliner-mennoniten-gemeinde.de/unsere_werte.php

Das Abendmahl „zum Gericht“ nehmen

1. Korinther 11
20 Wenn ihr also an einem Ort zusammenkommt, dann esst ihr in Wahrheit das Mahl nicht als Gemeinschaft derer, die zu Christus gehören. 21 Denn alle essen nur ihre private Mahlzeit, so dass manche hungern und andere betrunken sind. 22 Habt ihr denn keine Häuser, um zu essen und zu trinken? Oder verachtet ihr die Gemeinde Gottes und demütigt die Besitzlosen? Was soll ich euch sagen? Soll ich euch loben? In dieser Sache kann ich nicht loben! 23 Denn ich habe von unserem Befreier empfangen, was ich euch weitergegeben habe, nämlich: In der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, nahm der, dem wir angehören, Jesus, das Brot. 24 Er sprach den Segen, brach das Brot und sagte: »So ist mein Leib für euch; das tut zur Erinnerung an mich.« 25 Nachdem die Mahlzeit beendet war, nahm er ebenso den Becher mit den Worten: »Der neue Bund durch mein Blut ist mit diesem Becher da. Das tut, sooft ihr trinkt, zur Erinnerung an mich«. 26 Denn: Immer wenn ihr dieses Brot esst und aus dem Becher trinkt, verkündet ihr den Tod des Befreiers, bis er selbst kommt. 27 Daraus folgt: Wer auf unsolidarische Weise das Brot isst oder aus dem Becher des Befreiers trinkt, wird an seinem Leib und Blut schuldig. 28 Jede Frau und jeder Mann soll sich in dieser Hinsicht bewähren und so vom Brot essen und aus dem Becher trinken. 29 Alle, die beim Essen und Trinken dem Leib nicht gerecht werden, die ziehen sich durch ihr Essen und Trinken das Gericht zu.

Übersetzung: Bibel in gerechter Sprache

Dattelner Abendmahl

Am Karfreitag 1923, das war der 30 März, nahm der französische Protestant (Etienne Bach) in Datteln im damaligen Gemeindezentrum „Lutherhaus“ am öffentlichen evangelische Gottesdienst teil – in Uniform. Im Anschluss an den Wortgottesdienst lud Pfarrer Friedrich Wunderlich (1879-1949) zum Abendmahl ein, und Bach entschloss sich, trotz Zweifeln und der Unsicherheit, wie der Pfarrer darauf reagieren würde, teilzu­nehmen.

„Jedoch eine innere Kraft stiess mich vorwärts. Ich konnte nicht länger widerstehen, erhob mich und schloss mich als einer der letzten der Menge an. Wie ich im Begriffe bin, an den Altar zu treten, bemerke ich, dass sich im selben Moment auf der anderen Seite der Bürgermeister der Stadt nähert. Atemlos bleiben wir bei stehen. Aber es gilt, ein Entschluss zu fassen, denn die Blicke der ganzen Gemeinde sind auf uns gerichtet. Da haben wir zusammen das heilige Abendmahl genommen, aus demselben Kelch getrunken, uns mit demselben Brot gestärkt […] und ich habe verstanden, dass die Macht Christi von einem Menschen alles verlangen kann.
Von jenem Tage an herrschte Frieden zwischen uns, und die ganze Stadt hat es spüren können.“

Wagnis Versöhnung. Das „Dattelner Abendmahl“, Etienne Bach, Gertrud Kurz und die „Kreuzritter für den Frieden“, Martin H. Jung, 2014, 17 & 86(Vortrag Bachs aus dem Jahr 1931).

Eucharistische Vision

Wenn der Kirche Sakramentalität zukommt, wenn sie Kirche ist gerade im Vollzug der Echuaristie, indem sie an allen Orten und zu allen Zeiten den Anbruch des Reiches Gottes verkündigt, „bis er kommt“, maß dieser Anbruch um ihrer eigenen Glaubwürdigkeit willen sichtbar werden. Dieses geschieht zum einen im Gottesdienst, im Rahmen der eucharistischen Liturgie. Der bis zur Bedeutungslosigkeit erstarrt Ritus muß derart reaktiviert werden, daß die im Abendmahl angelegten ethischen Herausforderungen artikuliert werden, im Symbol sichtbar sind und den Teilnehmenden emotional und rational erfahrbar werden. […]Gemeinschaft, die Abendmahl feiert, muß auch nach dem Gottesdienst zur Gemeinschaft werden, die die in ihr bestehende Schranken abbaut, die Situation analysiert, in der sie lebt, und die Welt, bzw. die Schwestern und Brüder, die je an ihrem Ort Abendmahl feiern, Teil ihrer selbst werden läßt, indem sie konkrete Schritte geht, die sie in Solidarität mit den anderen findet.

Die eucharistische Vision. Armut und Reichtum als Anfrage an die Einheit der Kirche in der Diskussion des ökumenischen Rats der Kirche, Margot Käßmann, München 1992, 356.

Jeju Island

Recently I visited Jeju Island of South Korea and had my deepest experience of a faith community in daily resistance to the forces of militarism. I had never heard of Jeju Island and that the U.S. was building a naval base there against the wishes of the people of the island especially the people of Gangyeong Village where the base is being constructed. Much less had I heard that priests and nuns along with villagers were in daily resistance and that the Bishop of Jeju was an inspiration and motivator of the resistance.
[…]
Immediately across the street was the main tent where daily mass was celebrated. It began at 11:00 am with the nuns, priests and villagers sitting in chairs blockading thegates of the construction site. The Eucharist would be broadcasted while the police assembled to remove the resisters. They would lift them, in their chairs, to the side of the road. After the cement trucks and the other big rigs were let into the site and the empty trucks out the resisters would return and take up their blocking positions again. This event took place many times a day. The communal rciting of the rosary followed the Mass. Sometimes in the afternoon after many removals the words and music and singing began accompanied by a lively Korean dance. It keeps alive the joy and hope of the resistance.

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www.paxchristiusa.org/2013/10/31/reflection-daily-resistance-to-the-forces-of-militarism-on-jeju-island/
mehr: www.savejejunow.org

Jenseits von Abendmahlsgemeinschaft

Fürbitte
„So habe ich es mir als evangelische Pfarrerin zur Gewohnheit gemacht, in die Fürbitten des Sonntags­gottes­dienstes auch den Papst und den katholischen Ortsbischof aufzunehmen. Dies hat Aufmerksamkeit erregt bei den Gemeindegliedern und den Kirchenvorstehern – und Kritik hervorgerufen. Nicht zuletzt deshalb, weil meine Gemeinde im Bistum Limburg lag, wo der wenig beliebte Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst sein Unwesen trieb. […] Diese Diskussionen waren ein guter Anlass für ökumenische Meinungsbildung. […] „Nein, es gibt nur eine einzige Kirche auf der Welt, zu der wir alle gehören. Und deshalb gehen uns auch die Probleme der anderen an, und wir stehen im Gebet füreinander ein.“
Agapefeier
Jedenfalls zeigen sich durch den regen Zulauf zu alternativen Formen der Mahlfeier […], dass viele Christen auf der Suche nach einem neuen, zeitgemäßen Vollzug des Abendmahl Agapefeiern an. Denn es gibt keinerlei kirchenrechtliche Hindernisse, die einer »Interzelebration« (theologisch korrekt: dem gemeinsamen Handeln) evangelischer und katholischer Amtsträger bei einer Agapefeier entgegenstehen würden. So kann der Bezug auf Jesus existenziell erfahrbar werden die Gemeinschaft von Christen über Konfessionsgrenzen hinweg zum Ausdruck kommen – ganz ohne Skandal und Sanktionen.

J. Koslowski, Jenseits von Abendmahlsgemeinschaft, in: ÖR.B 100, 118f.

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