„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Bildung klaut!“

Mit dieser Parole aus dem Bildungsstreik begrüßten wir die TeilnehmerInnen des Oikotree Forums bei der Präsentation unseres Netzwerks. Im Folgenden berichteten wir über den Bildungsstreik, die Zusammenhänge mit neoliberalen Restrukturierungen nicht nur in der Bildung, sowie unsere Beteiligung und die Gründung des Netzwerks.

Diese Gruppenpräsentation war ein Teil des sog. Immersion Days, der zur Aufgabe hatte, die internationalen TeilnehmerInnen mit aktuellen politischen Auseinandersetzungen in Deutschland und Europa vertraut zu machen. Es ging außerdem um die politische Arbeit von Attac und die Flüchtlingsarbeit des Diakonischen Werks. Der Großteil des Tages jedoch war dem Thema Armut in Deutschland gewidmet. In diesem Zusammenhang besuchten wir verschiedene Projekte und Bewegungen in Frankfurt und schlossen auch unseren Tag mit gemeinsamem Essen in der Vesperkirche ab.

Wichtige Anstöße für uns waren:

  • „We are here, because you are there“ – so lautet der Spruch an der Wand eines AsylbewerberInnenheims in London, der anschaulich den Zusammenhang zwischen neokolonialen Ausbeutungsverhältnissen und globaler Migration aufzeigt.
  • Um eine Einordnung der Armut in Deutschland ging es Wolfgang Gern, dem Sprecher der Nationalen Armutskonferenz, genauso wie Franz Segbers, der eine Angabe der europäischen Kirchen an die Europäische Union vorstellte. Angesichts dieses Papieres entzündete sich die Frage der Vermittlung von Armut in Europa und Armut in Ländern des globalen Südens. Im Lauf des Tages diskutierten wir dieses Thema in persönlichen Gesprächen auch mit vielen TeilnehmerInnen des Forums.

Im Laufe dieser Diskussionen haben sich für uns einige Fragen ergeben, die wir mit euch teilen wollen:

  • Wie kann ein gelungener Dialog über Armut in einem weltweiten Kontext aussehen, der verschiedene Sichtweisen und Definitionen von Armut ernst nimmt und miteinander ins Gespräch bringt statt sie gegeneinander auszuspielen?
    Was sind dabei besonders die theologischen Konzepte, die helfen können, eine Rivalität des Leidens durch Solidarität zu überwinden?
    Welche theoretischen Analyseinstrumente, evtl. aus dem Bereich der postkolonialen Theorie, leisten eine angemessene Einordnung und führen zu Handlungsfähigkeit?
  • Was sind Strategien, um eine Analyse in politische Entscheidungsprozesse einfließen zu lassen, und wie kann kirchliches Handeln an der Basis und auf höchster Entscheidungsebene aussehen? Was ist der Wert von kirchlichen Stellungnahmen? Gibt es andere Orte, an denen diese Wege (wirkungsvoller) begangen werden?
  • Auch über unsere eigene Praxis als Oikotree Forum möchten wir in den nächsten Tagen noch weiter reflektieren. Einige unstrukturierte Fragen beziehen sich auf die Einbettung des Ökumenischen Rats der Kirchen und seiner Mitgliedsorganisationen in das politische Tagesgeschäft transnationaler Organisationen. Dies schließt vor allem die Frage nach den Privilegien und der Verknüpfung mit Befreiungskämpfen ein.

Ein voller Tag hatte noch genügend Freiraum für kreative Begegnungen mit AktivistInnen aus den verschiedenen Kontexten. Beispielsweise ergab sich aus unserem Beitrag über basisdemokratische Kommunikationsstrukturen im Bildungsstreik ein guter Austausch über die Kommunikationspraxis in brasilianischen Frauengruppen mit Joana aus Rio de Janeiro.