Schlagwort: Hermeneutik

Johann Baptist Metz (2005), Memoria Passionis, Freiburg.

In diesem neueren Buch fasst Metz seine Gedankengänge rund um das Konzept der “gefährlichen erinnerung” noch einmal zusammen. Ausgehend von einer Theologie nach Auschwitz führt er in die “arme Sprache des Gebets” und die Tradition der negativen Theologie ein. Metz führt aus, warum der Geist des Hellenismus zu einer Veränderung der Gottesrede und der theologie geführt hat und macht deutlich, wie eine Theologie, die sich am Gott der jüdischen Geschichte orientiert, gerade für aktuelle Auseinandersetzungen hilfreich wird. Das Buch ist sowohl als Einleitung in die politische Theologie als auch als Vertiefung gut geeignet.

R. S. Sugirtharajah (Hg.)(1998), The Postcolonial Bible, Sheffield.

In diesem Sammelband wird versucht einen Einstieg in eine postkoloniale Lesart der Bibel zu geben. Sugirtharaja leitet den band mit einem orientierenden Aufsatz ein, anschließend gibt es Aufsätze von Boerund anderen über die Diskurse. Besonders gut finde ich hier den Aufsatz von Segovia, der verschiedene Ebenen einer postkolonialen Kritik voneinander unterscheidet. Anschließend gibt es Vertiefungen von Musa Dube und Horsley, die versuchen dies konkret werden zu lassen und abschließend ein großartiges Interview mit Kwok Pui-Lan über das Jesus-Kolleg und die verborgene Seite der Suche nach Jesus, sowie eine spannende Bibelstudie von Bas Wielenga. Lohnt sich, in dieses Buch mal hereinzuschauen.

Kwok Pui-Lan (1996), Interpretation als Dialog, Luzern.

Ausgehend von den Erfahrungen vieler asiatischen Frauengruppen entwickelt die aus Hongkong stammende Theologin Kwok Pui-Lan eine dialogische Hermeneutik. Diese Hermeneutik nimmt die multireligiöse Lenbenswirklichkeit asiatischer HörerInnen der Bibel ernst und orientiert sich an Modellen Bakhtins, die die Vielstimmigkeit jeden Textes stark machen. So wird ein Raum geschaffen für ein neues Verständnis von Mündlichkeit und zahlreiche Gegen-Stimmen bei der Auslegung der Bibel. Als ein redendes Beispiel ihrer Hermeneutik taucht eine Bibelstudie zur Geschichte der Syrophönizierin aus Lk. 7 und Mt. 15 auf, die auf eine postkoloniale Lesart abzielt und versucht die Diskurse von Sexismus, Kolonialismus und Anti-Judaismus aufzubrechen.

R.S. Sugirtharajah (2002), Postcolonial Criticism and Biblical Interpretation, New York.

In diesem Buch versucht der Neutestamentler Sugirtharajah eine Grundlegung einer postkolonialen Theologie. Er gibt einen Forschungsüberblick über die Anfänge postkolonialer Theorie und zeigt auf, wie diese theologisch aufgegiffen worden ist. Dabei unterscheidet er innerhalb der postkolonialen Theologien in verschiedene Lesestrategien und Herangehensweisen wie etwa dissident reading oder liberationist reading. Sugirtharajah gibt drei Beispiele, wo postkoloniale Theologien eine Bereicherung sein können: 1. Um den kolonialen Kontext vieler Texte besser verstehen zu können; 2. Um den Einfluss der englischen Standardübersetzung der Bibel einschätzen zu können und Übersetzungen kritisch einzuordnen; 3. Um der heutigen Diaspora-Situation vieler ExegetInnen gerecht werden zu können. Besonders lesenswert ist der klare Abschnitt über die Verbindungen von postkolonialen Theologien und Befreiungstheologie (S.103-123).