Schlagwort: Postkolonialismus (Seite 2 von 2)

Sharon V. Betcher (2007), Spirit and the Politics of Disablement, Minneapolis.

Sharon Betcher untersucht die Wundergeschichten in den Evangelien und ihre Auslegung in der Kirchengeschichte, sowie besonders die dogmatischen Grundlagen in der Pneumatologie und die Auswirkungen auf christliche Missionstätigkeit. Sie zeigt auf, wie Behinderung auch in modernen Gesellschaften gefürchtet wird und liefert eine postkoloniale Lesart von Behinderung, aus der klar wird, warum sie, die selbst behindert ist und im Rollstuhl sitzt, nicht glaubt und sich nicht wünscht, im Himmel keinen Rollstuhl mehr zu brauchen.

Kwok Pui-Lan (1996), Interpretation als Dialog, Luzern.

Ausgehend von den Erfahrungen vieler asiatischen Frauengruppen entwickelt die aus Hongkong stammende Theologin Kwok Pui-Lan eine dialogische Hermeneutik. Diese Hermeneutik nimmt die multireligiöse Lenbenswirklichkeit asiatischer HörerInnen der Bibel ernst und orientiert sich an Modellen Bakhtins, die die Vielstimmigkeit jeden Textes stark machen. So wird ein Raum geschaffen für ein neues Verständnis von Mündlichkeit und zahlreiche Gegen-Stimmen bei der Auslegung der Bibel. Als ein redendes Beispiel ihrer Hermeneutik taucht eine Bibelstudie zur Geschichte der Syrophönizierin aus Lk. 7 und Mt. 15 auf, die auf eine postkoloniale Lesart abzielt und versucht die Diskurse von Sexismus, Kolonialismus und Anti-Judaismus aufzubrechen.

R.S. Sugirtharajah (2002), Postcolonial Criticism and Biblical Interpretation, New York.

In diesem Buch versucht der Neutestamentler Sugirtharajah eine Grundlegung einer postkolonialen Theologie. Er gibt einen Forschungsüberblick über die Anfänge postkolonialer Theorie und zeigt auf, wie diese theologisch aufgegiffen worden ist. Dabei unterscheidet er innerhalb der postkolonialen Theologien in verschiedene Lesestrategien und Herangehensweisen wie etwa dissident reading oder liberationist reading. Sugirtharajah gibt drei Beispiele, wo postkoloniale Theologien eine Bereicherung sein können: 1. Um den kolonialen Kontext vieler Texte besser verstehen zu können; 2. Um den Einfluss der englischen Standardübersetzung der Bibel einschätzen zu können und Übersetzungen kritisch einzuordnen; 3. Um der heutigen Diaspora-Situation vieler ExegetInnen gerecht werden zu können. Besonders lesenswert ist der klare Abschnitt über die Verbindungen von postkolonialen Theologien und Befreiungstheologie (S.103-123).

Gramsci, Antonio (1996), Selections from the Prison Notebooks,

Antonio Gramsci war ein italienischer Marxist und lebte von 1891 bis 1937.
In seinen Gefängnistagebüchern entwickelt Gramsci unter anderem zwei Konzepte, die für postkoloniale Theorien von entscheidender Bedeutung sind. Dies ist das Konzept kultureller Hegemonie, das besagt, dass es keinen unmittelbaren Zwang einer unterdrückerischen Großmacht braucht, sondern der Arm eines „empire“ über die Kultur bis in die kleinsten Dörfer reicht. Die Analyse der italienischen Gesellschaft durch Gramsci anhand von vier verschiedenen Kategorien wurde von der Subaltern Study Group in Indien aufgegriffen und verfeinert. Die Theorie Gramscis bildet jedoch die theoretische Grundlage für alle Rede von Subalternen.

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